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Die Hauptstadt Malaysias

25. bis 27. April - Wir entscheiden aus Kostengründen, nicht von Singapur nach Kuala Lumpur zu fliegen, sondern einen Mietwagen zu nehmen. Mieten ein Auto kurz hinter der Grenze. Es sind etwa vier Autostunden auf einer Autobahn, die vorwiegend durch Palmenplantagen führt. Der Flug hätte knapp eine Stunde gedauert.

Kommen zwischenzeitlich in wolkenbruchartige Regengüsse, die das Fahren auf der Autobahn nur noch im Schritttempo möglich machen.

Das Konzert in Kuala Lumpur wurde ausnahmsweise nicht von Steinway & Sons, sondern von Willi organisiert. Willi war schon bei meinem ersten Hamburger Musikhallen-Konzert im Jahre 1996 dabei, und ist damals extra aus Süd-Ost Asien zum Konzert angereist. Ein Mann der ersten Stunde.

Er wohnt und arbeitet mit seiner Freundin Claudia seit dieser Zeit in Fernost und kennt die Gegend wie seine Westentasche.
Willi ist ein Bayer wie er im Buche steht. Seine beiden Kinder gehen auf die internationale Schule in Kuala Lumpur und sprechen besser Englisch als Bayrisch. Das trifft allerdings auf den Vater nicht zu.

Willi und mich verbindet die Begeisterung für Musik, nur mit dem Unterschied, dass er kein Instrument spielt. Als er gehört hat, dass wir kommen, hat er mit dem örtlichen Jazzclub "No Black Tie" (Kein Smoking) Kontakt aufgenommen. Er wird von einer Malayin, Evelyn, ursprünglich selbst klassische Pianistin, geführt. Ein zierliches Persönchen mit einer so furchterregend Nachtclub-gestählten Stimme, dass einem Angst und Bange wird.

Für mich ist es das erste Konzert seit Jahren wieder in einem kleinen Jazzclub, und eine schöne Abwechslung. Der Club fasst maximal 100 Zuhörer und geht über 2 Ebenen. Er ist sehr liebevoll und modern eingerichtet. Auf den Hintergrund der Bühne wurde während der Pausen ein alter Jazzfilm projiziert.
Charakteristisch für einen Jazzclub, die Leute kommen spät und bleiben lange.
So haben wir zu Beginn noch Zeit, einen Happen zu essen. Der alte Leitspruch, der noch zu meinen New Yorker Studienzeiten galt: "Never eat in Jazzclubs!" ist hier nicht angebracht. Das Essen ist vorzüglich und die Bedienung freundlich (ist mir auch neu).

Ich konnte den ganzen Abend herrlich ohne Druck Musik machen. Der Kontakt zum Publikum ist bei einer Anzahl bis 100 Zuhörern viel persönlicher als in einem Konzertsaal.
So kann ich auch individuelle Musikwünsche erfüllen. Die Situation erinnert ein bisschen an die Hamburger Sperl- und Cotton-Club-Zeiten vor 15 Jahren. Dort konnte allerdings ein angetrunkener Gast den ganzen Abend schmeißen. Das ist glücklicherweise im moslemischen Malaysia unüblich.

Kuala Lumpur ist nur unwesentlich weiter vom Äquator entfernt als Singapur und weist ein ähnlich tropisch drückend heißes Klima auf.
Das Zimmer von Willis Tochter Sophia (12), das sie uns für diese Zeit zur Verfügung stellt, ist aber mit einer Klimaanlage ausgestattet. Wir fühlen uns dort bestens aufgehoben.
Verbringen den darauffolgenden Tag in einem privaten Club am Swimming Pool mit einer langen Wasserrutsche, die die Kinder den ganzen Tag auf Trab hält.

Wir sitzen noch zwei weitere herrliche Abende in Kuala Lumpur mit kühlem Bier auf der Terrasse, und plaudern über alte Zeiten.

Tagsüber steht Chinatown auf dem Programm. In den kleinen Gässchen reiht sich Laden an Laden. Ein Paradies für Preis bewusstes shoppen. Nachgemachte Markenartikel werden hier für einen Bruchteil des normalen Preises angeboten.
Der tägliche tropische Regenguss ist an diesem Tage so heftig, dass selbst die überdachten Passagen unpassierbar waren. Wir suchen Unterschlupf in einem kleinen chinesischen Restaurant. Dieses verdient den Namen eigentlich nicht wirklich. Es ist eher eine Art chinesische Würstchenbude, ein sogenannter "Hawker". Wir sitzen auf schmuddeligen Plastikstühlchen und bestellen das einzige Gericht, das es gibt. Etwas Nudelnähnliches mit Erdnusssoße. Es schmeckt köstlich!

Meine Kinder starren fasziniert auf die fingergroßen Kakerlaken, die zwischen dem zentimeterdicken Schimmel an den Wänden prächtig gedeihen. Man bekommt plötzlich ein ganz anderes Verhältnis zur Hygiene. Ein Beamter des deutschen Gesundheitsamtes würde auf der Stelle einen Herzinfarkt bekommen.